Pücklerstrasse 42-43


Berlin-Dahlem, Pücklerstr. 42-43   (Günther Werner-Ehrenfeucht)BJ. 1940 Architekt: Wilhelm v. Gumberz. Seit 1998 Residenz des Schwedischen Botschafters

Der Garten in der Pücklerstrasse 42/43, besser bekannt als Garten Werner-Ehrenfeucht, umfasst eine über 4000qm große Fläche. Herta Hammerbacher gelingt es, diesen recht großen Garten in einen einzigen Raum zu begreifen. Diese Art der Raumerfassung ist für Hammerbacher typisch. Das Gelände zeigt einen Höhenunterschied von ca. 3m. Das Haus markiert selbstverständlich den höchsten Punkt,  das Gelände fällt nach Süden ab. Hammerbacher nimmt diese Bewegung auf, und setzt ein kreisrundes Bassin in den tiefsten Punkt. Die Verbindung dieser beiden Polen, - des Hauses und  des Bassins-, wird hergestellt durch einen Bachlauf, der von der Terrasse beginnend seitlich den gesamten Raum seitlich umschließt und in das Bassin mündet. Die kulissenhafte Randbepflanzung geht in den umgebenden Kiefernbestand über, so dass die Landschaft in den Garten hineingeholt, und umgekehrt der Garten in die Landschaft eingebettet wird. Hammerbacher beschreibt 1972 diesen Garten in der Pücklerstr.  mit folgenden Worten: 

"Obwohl das Grundstück von Günther Werner-Ehrenfeucht in Dahlem in der Pücklerstraße 42-43 mit dem vom Architekten Wilhelm von Gumberz 1940 erbauten Landhaus 4049 qm groß ist, gelang es der Gartenarchitektin Herta Hammerbacher, das Gelände zu einem in einheitlichen Gestaltungszusammenhang stehenden "Wohngarten" zu machen (Abb. 180, 181; Objekt 2227). Schon das breitgelagerte Haus mit den großen Fensterflächen hatte trotz seiner großen Ausdehnung nur noch wenig von der "Villa" an sich und trug dazu bei, dass der wohnliche Charakter im Garten zum Ausdruck kam. 
Der Höhenunterschied zwischen Straße und Grundstücksende betrug fast drei Meter. Der größte Höhensprung wurde in der Nähe des Hauses in Verbindung mit der überdeckten Wohnterrasse vorgesehen, um die Hauptrasenfläche in geringer Neigung halten zu können, was sich für die Wohn- und Spielmöglichkeiten günstig erweist. Um die Verbindung zwischen der Sitzterrasse und dem Rasen trotz des Höhenunterschiedes möglichst eng zu gestalten, wurde die Treppe von dort hinunter in voller Terrassenbreite ausgebildet und aus der Treppenwange der einen Treppenseite auf dem tiefer gelegenen Niveau eine Sitzmauer entwickelt, die den Abschluss für einen zweiten kleineren Sitzplatz in Hausnähe ergab, aber nun direkt in Zusammenhang mit dem Rasen und den Pflanzungen auf der unteren Ebene. 

Neben den Terrassenstufen wurde der Höhenunterschied durch zwei Pflanzenmauern überbrückt, die ganz mit Polsterstauden überwachsen waren und in der Hausebene Rosenpflanzungen aufnahmen. Die Großräumigkeit des Gartens erlaubte es, einen Umgangsweg aus Platten anzulegen, der das "Lustwandeln" im Garten auch bei nassem Wetter ermöglichte und durch seine einengende Wirkung den inneren Bereich des Gartens absteckte. Er ist bestimmt durch den runden, im Durchmesser 14m großen Schwimmteich, der, in die nach S-Form ausmodellierte Rasenfläche einfügt, die tiefste Stelle des Gartens einnimmt und neben den Benutzungsmöglichkeiten wie Schwimmen und sportliches Spiel zur Steigerung des Raumeindruckes beiträgt. Der Wasserkanal mit dem Anfang auf der oberen Terrasse und seinem Auslass durch die Terrasenmauer stuft sich, dem Geländeschwung genau angepasst und dem fallenden Gelände nachgehend, in flacher Kaskadenform und speist das Schwimmbecken im Umlaufverfahren mit Wasser, das in den flachen Wasserstufen durch die Sonne aufgewärmt wird und somit die richtige Temperatur für das Schwimmbecken erhält. 

Der einem praktischen Zweck dienende Kanal wird hier mit seiner ausschwingenden Linienführung den Raumgedanken unterstreichend, in eine besondere Bereicherung für den Garten umgebildet. Außer Gehölzen und Koniferen in lockerer Streuung, die den Durchblick in den angrenzenden Grunewald noch freigeben, kamen großflächige Stauden zur Anpflanzung, die ihrem Ort entsprechend teils aus Uferstauden und Gräsern, teils aus Rabettenstauden mit vielen Ritterspornen in der Nähe des Hauses, oder aus Waldstauden im unteren Gartenteil bestehend, die Wege und den Kanal umspielen. Der westliche kleine Gartenteil neben dem Hause ist der "Privatgarten" der Bauherrin.  Sie pflegte nicht nur den großen Hauptgarten vorzüglich, sondern sie betrieb gewissermaßen eine Gärtnerei mit zwei Gewächshäusern in ihrem Gartenteil - auf dem Foto noch nicht zu sehen - in denen sie auch Topfblumen und Jungpflanzen für ihr Schnittblumenquartier neben den Kanal heranzog."
(in: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin [Hrsg.] ;: Berlin und seine Bauten, Teil 4: Wohnungsbau, Band C: Die Wohngebäude - Einfamilienhäuser,,  Berlin/ München/ Düsseldorf: 1972, S. 355f.: Foto, Gartenplan, Beschreibung.)

(Quelle der Abbildungen: Archiv Hammerbacher, Architekturmuseum der TU Berlin)


Lit.:
1.      Mattern, Hermann: Die Wohnlandschaft, Stuttgart 1950, S. 14 + 94: Fotos
2.      Hoffmann, Herbert: Garten und Haus, 3. Aufl., Stuttgart 1951, S. 155: Foto.
3.      Pflanze und Garten 6/1951, S. 7: Lageplan, S. 9 + 10: Fotos
4.      Ammann, Gustav: Blühende Gärten, Erlenbach/Zürich 1953, S. 52: Lageplan, Foto, Beschreibung.
5.      Hoffmann, Herbert: Garten und Haus, 4. Aufl., Stuttgart 1956, S. 162ff: Lageplan, Fotos.
6.    Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin [Hrsg.] ;: Berlin und seine Bauten, Teil 4: Wohnungsbau, Band C: Die Wohngebäude - Einfamilienhäuser,,  Berlin/ München/ Düsseldorf: 1972, S. 355f.: Foto, Gartenplan, Beschreibung, S. 404: Objekt 2227. 
7.      Garten + Landschaft 10/1985, S. 46: Foto
8.      Hoffmann, Kurt: Pflanze und Garten, 6-1951. S. 7, 9-10
9.      Hammerbacher, Herta: Rosen in der Gartengestaltung, In: Pflanze und Garten 1951, Heft 6, S.7f
10.  Hottenträger, Grit/ Schumacher, Horst:Vom Blütengarten der Zukunft, Eine Hommage an Karl Foerster. Sonderausstellung der Bundesgartenschau Berlin 1985. Dokumentation der Ausstellung i. A. der Karl-Foerster-Stiftung, unveröffentlichtes Manuskript. Berlin 1985
11. Eckert, Reinald: Garten an der Residenz des schwedischen Botschafters in Berlin, Pücklerstr. 42/44, Berlin-Dahlem. Unveröffentlichtes Manuskript, Berlin 1988
12.    Reitsam, Charlotte: Herta Hammerbacher in: Garten und Landschaft, 11/1998, S.41
13.    Lesser, Katrin: Herta Hammerbacher(1900-1985), Gartenhistorische Untersuchung der zehn denkmalgeschützten Anlagen in Berlin, ein Gutachten Berlin 2001.
14.   Lesser, Katrin u.a.: Gartendenkmale in Berlin, Privatgärten. Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 33. Michael Imhof Verlag. 2. Aktualisierte Auflage 2009. S. 149. 2 Abb. (1 historische Aufnahme, Lageplan).


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